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Entwicklung beginnt, wenn Menschen sich gesehen fühlen
 

Im Feelgood Talk spricht Vera mit Aline Breiter, selbstständige Teamgestalterin und Coach. Ein Gespräch über die Kraft der Persönlichkeit im Beruf, den Erfolgsfaktor „Gesehenwerden“ und die Frage, wie Unternehmen die junge Generation im Berufsleben wirklich abholen und fördern können.

 

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Vera: Schön, dass du da bist, liebe Aline! Du hast in deiner beruflichen Laufbahn schon viele verschiedene Kontexte kennengelernt - von der Beratung über die Konzernwelt bis hin zum Mittelstand. Seit 2019 bist du selbstständig als Coach und Teamgestalterin. Wer bist du im Hier und Jetzt und wofür stehst du?

 

Aline: Ich sehe mich heute vor allem als Unternehmerin mit zwei verschiedenen Schwerpunkten. Auf der einen Seite bin ich Coach und Teamgestalterin, um Menschen dabei zu unterstützen, in ihre Wirksamkeit zu kommen und ihre berufliche Orientierung zu finden. Auf der anderen Seite bin ich im Projektmanagement tätig. Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen Zahlen, Daten, Fakten (ZDF) und der persönlichen Entwicklung von Menschen.

 

Mein eigener Weg hat mich genau durch diese Welten geführt: Gestartet bin ich 2005 in der Innovations- und Trendberatung, wo wir damals schon Use Cases für das digitale Haus entwickelt haben. Danach war ich zehneinhalb Jahre bei Google in Hamburg im Bereich Marketing, Marktforschung und Sales tätig. Später bin ich zurück an die Ostsee gezogen und war in mittelständischen Unternehmen als „Mädchen für alles“ aktiv;  von Marketing über Controlling bis hin zur Arbeitssicherheit. Nach dieser intensiven Zeit habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

 

Vera: Ein unglaublich breites Portfolio! Du bist heute in der Team- und Führungskräfteentwicklung aktiv. Worauf legst du dabei deinen Fokus?

 

Aline: Mein Kernschwerpunkt ist die Persönlichkeit. Ich möchte Menschen helfen, ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum sie in bestimmten Situationen so und nicht anders ticken. Dafür arbeite ich gerne mit dem LINC Personality Profiler. Mir ist wichtig, dass die berufliche Rolle zur Persönlichkeit passt: Eine introvertierte Person ist z.B. in einer reinen Sales-Rolle oft nicht optimal aufgehoben. Außerdem liegt mir das Thema vertrauensvolle Zusammenarbeit sehr am Herzen.

 

Vera: Dein Motto lautet: „Entwicklung beginnt, wenn Menschen sich gesehen fühlen.“ Wie ist deine Erfahrung in Unternehmen? Fühlen sich die Menschen dort gesehen?

 

Aline: Oft leider nicht, was häufig an der extremen Schnelligkeit in Unternehmen liegt. In Meetings mit vielen Teilnehmenden antworten meist die Schnellsten, während eher introvertierte oder zurückhaltende Menschen - zu denen ich mich privat auch zähle - oft untergehen. Social Media verstärkt diesen Druck, sich ständig laut präsentieren zu müssen.

 

Deshalb brauchen wir empathische Führungskräfte, die ein Gefühl dafür haben, wie ihr Team tickt, und die aktiv Plattformen schaffen, um auch die Leiseren sichtbar zu machen. In meinen Trainings nutze ich dafür zum Beispiel die „Eine-Minute-Bedenkzeit-Methode“. Man stellt eine Frage, aber alle bekommen erst einmal eine Minute Ruhe, um ihre Gedanken zu sortieren. So kommen ganz andere, wertvolle Perspektiven zum Vorschein.

 

Vera: Wie sieht deine Arbeit rund ums „Gesehenwerden“ konkret in der Praxis aus?

 

Aline: Ich arbeite hierzu gezielt mit Führungskräften und Teams. Mit dem Persönlichkeitsprofiler machen wir beispielsweise Team-Checks. Wenn ich die Teilnehmenden auf einer Skala von introvertiert bis extrovertiert aufstelle, wird die Unterschiedlichkeit im Team plötzlich visuell sichtbar. Das bricht oft Vorurteile auf.

 

Zudem arbeiten wir intensiv an gutem Erwartungsmanagement, Feedback und Kommunikation im Allgemeinen. Ich setze dabei sehr auf erfahrungsbasiertes Arbeiten, zum Beispiel durch Rollenspiele oder Videoanalysen. Wenn man sich selbst auf Video sieht, merkt man erst, wie das eigene Auftreten, die Haltung und die Stimme mit der Botschaft zusammenpassen, die man senden möchte.

 

Vera: Ein weiteres großes Herzensthema von dir ist die Entwicklung von Auszubildenden und jungen Nachwuchsführungskräften. Was beschäftigt junge Menschen am Anfang ihrer Karriere heute am meisten?

 

Aline: Die junge Generation wird oft schlechter gemacht, als sie ist. Man darf nicht vergessen: Es ist eine krisengebeutelte Generation, die durch Corona-Schuljahre und weltweite Konflikte geprägt wurde. Hinzu kommt eine enorme Orientierungslosigkeit. Die Schulen bereiten oft nicht optimal auf die Praxis vor; viele wissen nach dem Abschluss gar nicht, wo ihre Stärken liegen. Bei über 330 Ausbildungsberufen und mehr als 20.000 Studiengängen ist das kein Wunder. Genau deshalb bricht auch rund ein Drittel die Ausbildung wieder ab. Unternehmen müssen hier viel engmaschiger begleiten, soziale Interaktionen steuern und auch psychische Belastungen auffangen.

 

Vera: Hast du Beispiele aus der Praxis, wie Unternehmen es richtig gut - oder eben falsch machen?

 

Aline: Ein positives Beispiel sehe ich in einem Azubi-Netzwerk, in dem ich aktiv bin. Dort gibt es individuelle Lernpläne, den gezielten Einsatz von KI-Programmen für visuelles und schnelles Lernen sowie eigenständige Azubi-Projekte und Stammtische.

 

Der Worst Case ist, wenn Azubis wie ein „lästiges Übel“ behandelt werden, für das eigentlich niemand Zeit hat. Wenn es keine klaren Aufgaben, keine Struktur und keine festen Ansprechpartner gibt, fühlen sie sich alleingelassen und brechen ab.

 

Vera: Du begleitest auch den Übergang von Young Talents in erste Führungspositionen. Worauf kommt es dabei an?

 

Aline: Führung ist ein riesiges Thema und flößt jungen Menschen oft Respekt oder sogar Angst vor der Verantwortung ein. Niemand wird als fertige Führungskraft geboren. Unternehmen sollten Nachwuchstalenten frühzeitig die Chance geben, sich in kleineren Projekten auszuprobieren, um Selbstwirksamkeit und erste Erfolge zu erleben.

 

Es braucht Räume für den generationsübergreifenden Austausch. Unternehmen müssen bereit sein, von klassischen, starren Führungsidealen abzuweichen und sich für die neuen Impulse zu öffnen, die von unten kommen.

 

Vera: Wenn du der jungen Generation und den Unternehmen jeweils eine Kernbotschaft mitgeben könntest, wie würde diese lauten?

 

Aline: An die junge Generation: Fordert schon in den Schulen Begleitung und Berufsorientierung ein. Bleibt neugierig, macht Praktika und probiert euch aus. Es ist absolut kein Beinbruch, wenn eine Richtung mal nicht passt.

 

An die Unternehmen: Wir müssen weg von der reinen Wissensvermittlung und hin zu einer echten Lernbegleitung. Schafft psychologische Sicherheit, damit Fehler als Entwicklungschancen genutzt werden können. Ausbildung darf nicht nur eine Aufgabe der Personalabteilung sein, sondern muss als strategisches Thema über alle Abteilungen hinweg neu gedacht werden. Und ganz pragmatisch: Passt eure Bewerbungsprozesse an. Kurze, knackige Formulare, die man mobil auf dem Smartphone ausfüllen kann, und eine authentische Präsenz in den sozialen Medien sind heute Pflicht, um attraktiv zu bleiben.

 

Vera: Vielen lieben Dank, Aline, dass du beim Feelgood Talk dabei warst!

 

 

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